Rechtshilfe im Familienrecht
  • Erbrecht für Nicht-Juristen einfach erklärt
  • Rechtsprodukte im Erbrecht zum Fixpreis
  • Geprüfte & spezialisierte Anwälte für Erbrecht lösen Ihr rechtliches Problem
Spezialisierte Anwälte für Familienrecht & Scheidung finden
  • Rechtsanwälte für Familienrecht & Scheidung suchen
  • Passenden Anwalt auswählen
  • Fall schildern & beauftragen

Ablauf einer Scheidung vor Gericht

  • Redaktion Familienrechtsinfo.at
Paar sitzt bei Gericht vor Richterin
Share on whatsapp
Teilen
Share on email
Email senden

Wer die Scheidung in Österreich einreichen möchte, kann diese über ein streitiges Scheidungsverfahren vor dem zuständigen Bezirksgericht tun oder im Rahmen einer einvernehmlichen Scheidung. Für Ersteres muss zunächst eine Scheidungsklage des einen Ehepartners gegen den anderen eingereicht werden.

Wie lange eine einvernehmliche Scheidung dauert, wie der genaue Ablauf einer strittigen Scheidung in Österreich vor Gericht aussieht, und ob eine Scheidung ohne Anwalt in Österreich möglich ist, erläutert Ihnen der folgende Artikel.  Darüber hinaus beantwortet er die Fragen, wie lange die Scheidung vor Gericht dauert, wie schnell man sich scheiden lassen kann und was eine einfache Scheidung kostet.

Das Wichtigste zum Ablauf einer Scheidung vor Gericht:

  • Wer die Scheidung in Österreich einreichen möchte, kann diese im Rahmen eines strittigen Verfahrens oder einer einvernehmlichen Scheidung.
  • Anders als in Deutschland muss bei Scheidung in Österreich kein Trennungsjahr eingehalten werden; die Scheidung kann ab 6 Monaten geschieden werden.
  • Eine einvernehmliche Scheidung ist schneller vollzogen und spart Scheidungskosten.
  • Eine Scheidung mit Kindern ist in Österreich komplizierter und oftmals langwieriger, kann aber bei Einvernehmen über die Scheidungsfolgen (Unterhalt, Sorgerecht, Kindesunterhalt, Vermögensaufteilung) zügig vollzogen werden.

Scheidungsvarianten

Der Ablauf einer Scheidung ist in Österreich auch von den Scheidungsvarianten abhängig: Streitige Scheidung aus Verschulden, Scheidung wegen Auflösung der häuslichen Gemeinschaft oder aus anderen Gründen.

Wurde die Ehe durch eine schwere Eheverfehlung eines Ehepartners tief zerrüttet, sodass kein Fortbestehen möglich ist, kann der geschädigte Ehepartner die Scheidung einreichen in Österreich. In diesem Fall spricht man von einer Scheidung aus Verschulden.

Die Eheverfehlungsgründe müssen dabei schuldhaft begangen worden sein, das heißt vorsätzlich oder fahrlässig.

Jedoch gelten Ehebruch und die Verweigerung zur Fortpflanzung nicht als absolute Scheidungsgründe, außer sie sind die Ursache der Zerrüttung der Ehe. Trifft den Ehegatten hingegen laut Gericht keine Schuld und hat er keine Widerklage eingereicht, dann weist das Gericht die Scheidungsklage ab.

Zerrüttung und andere Gründe

Ferner können Zerrüttung und andere Gründe für eine Scheidung vorliegen. Um eine Scheidungsklage einreichen zu können, müssen folgende Scheidungsgründe vorliegen: Ehe-bruch oder ehewidriges Verhalten, schwere oder wiederholte leichte Misshandlungen, Zank-sucht oder Hysterie, Vernachlässigung des Haushalts, Unterhaltspflichtverletzung, böswilliges Verlassen des Ehepartners und ständiges Alleinlassen des Ehepartners.

Liegt hingegen kein schuldhaftes Verhalten vor und möchte der beschuldigte Ehepartner die Scheidung nicht vollziehen, kann die Ehe erst nach einer dreijährigen Trennung geschieden werden. Hierfür muss die häusliche Gemeinschaft seit drei Jahren aufgelöst sein.

Ist die Ehe jedoch laut Gericht nicht unheilbar zerrüttet oder hat der klagende Ehepartner das Ehescheitern verschuldet und würde die Scheidung den beklagten Ehepartner hart treffen, weist das Gericht die Scheidung ab.

Erst nach einer Trennung von 6 Jahren wird die Scheidung letztendlich stattgegeben, wobei auf den Antrag ein Schuldausspruch erfolgen muss. Ferner können auch andere Gründe für eine Scheidung vorliegen. Hierzu zählt eine Geisteskrankheit sowie ansteckende oder ekelerregende Krankheiten, sofern diese nicht vom klagenden Ehepartner verursacht wurden.

Welche Unterlagen benötige ich für das Scheidungsverfahren?

Bevor man eine Scheidungsklage einreichen kann, stellt sich selbstverständlich die Frage „Welche Unterlagen benötige ich für das Scheidungsverfahren?“. Um den Ablauf einer Scheidung zu beschleunigen, sind folgende Dokumente unbedingt erforderlich:

Heiratsurkunde

Amtliche Fotos der Ehegatten

Nachweis der Staatsbürgerschaft der Ehegatten

Meldebestätigung

Geburtsurkunden der Kinder

Nachweise für die Vermögensaufteilung (Grundbuchauszug, Mietvertrag, Geldanlage)

Trennungsjahr bei Scheidung in Österreich

Immer wieder ist die Rede von einem Trennungsjahr bei Scheidung in Österreich. Doch gibt es überhaupt ein Trennungsjahr bei Scheidung in Österreich? Was it damit gemeint? Anders als in Deutschland ist bei einer Scheidung in Österreich das Trennungsjahr nicht vorgeschrieben.

In Österreich kann eine Ehe nach dem Zerrüttungsprinzip bereits nach 6 Monaten geschieden werden. Allerdings kann kein Gericht oder keine Institution prüfen, ob das Verhältnis tatsächlich zerrüttet ist und die häusliche Gemeinschaft nicht mehr besteht. Mit Trennung ist nicht unbedingt eine räumliche Trennung gemeint.

Kosten des Scheidungsverfahrens

Die Kosten einer Scheidung sind auch davon abhängig, ob Eigentum in Form von Immobilien und Unterhaltsansprüche vorliegen.  Was kostet eine einfache Scheidung? Jene Aspekte beeinflussen auch die Dauer und den Ablauf einer Scheidung vor Gericht. Für die Scheidungsklage werden 312 Euro berechnet, wobei zusätzliche Gebühren für einen Vergleich oder die Übertragung von Eigentum anfallen.

Schließen die Ehegatten einen Vergleich, der inhaltlich einem Scheidungsfolgenvergleich der einvernehmlichen Scheidung entspricht, belaufen sich die Gebühren auf 293 Euro. Handelt es sich jedoch um die Übertragung von Eigentum an einer unbeweglichen Sache, berechnet das Bezirksgericht 439 Euro als Gebühr.

Bei Gerichtsverfahren über die Obsorge und das Besuchsrecht ist es zusätzlich möglich, einen Kinderbeistand zu erhalten. Dieser kümmert sich als Ansprechpartner um alle Wünsche und Belange der Kinder während des Verfahrens. Der Kindesbeistand ist die ersten 6 Monate kostenfrei, das heißt erst danach fallen Gerichtsgebühren in Höhe von 290 Euro pro Elternteil an.

Verfügt der/die Ehegatte/in über ein niedriges Einkommen und kann die Kosten der Scheidung nicht tragen, dann kann er eine Verfahrenshilfe beim Gericht beantragen, welche auch die Gebühren für den Kinderbeistand deckt.

Ablauf einer Scheidung in Österreich

Um den Ablauf einer Scheidung in Österreich komplikationsfrei zu bewältigen, muss zunächst die Scheidungsklage beim zuständigen Bezirksgericht eingereicht werden. Dies kann entweder mündlich in Form eines Protokolls oder schriftlich erfolgen. Dem Antrag muss ein Scheidungsantrag beigefügt sein, der die Scheidungsgründe und entsprechende Beweise enthält.

Zu Beginn der Gerichtsverhandlung weist die Richterin auf Beratungsmöglichkeiten und die Option einer Mediation hin, um einer möglichen Versöhnung der beiden Ehegatten entgegenzuwirken.

In diesem Zusammenhang werden den Beteiligten nochmals auf die Möglichkeit einer einvernehmlichen Scheidung hingewiesen. Bei Bedarf können die Eheleute während des Scheidungsverfahrens einen Antrag auf einvernehmliche Scheidung stellen.

Wird der Antrag vom Gericht stattgegeben, wird der Scheidungsprozess unterbrochen und die Scheidungsklage zurückgenommen. Allerdings wird das streitige Gerichtsverfahren wieder aufgenommen, wenn die Ehegatten keine Einigung im Rahmen einer einvernehmlichen Scheidung finden.

Das Gerichtsverfahren endet mit dem Scheidungsurteil, gegen welches binnen vier Wochen Berufung eingelegt werden kann. Nach Ablauf der vier Wochen ist das Urteil hingegen rechtskräftig und kann durch einen Rechtskraftvermerk auf der Urteilsausfertigung bestätigt werden, wobei dieser nicht für die Rechtswirksamkeit notwendig ist. Wichtig ist der Vermerk hingegen bei einer neuen Eheschließung.

Gesonderte Verfahren

Der Ablauf einer Scheidung wird komplexer, wenn weitere Ansprüche in gesonderten Verfahren geltend gemacht werden sollen. Hierzu zählen beispielsweise Unterhaltsansprüche, die Vermögensaufteilung und die Regelung der Kindesobsorge. Dabei ist zu beachten, dass ein Anspruch zur Aufteilung des ehelichen Gebrauchsvermögens und der ehelichen Ersparnisse nur innerhalb eines Jahres nach der rechtskräftigen Ehescheidung geltend gemacht werden kann.

Diese gerichtlichen Verfahren erfordern meist viel Zeit und einen erfahrenen Rechtsbeistand. Lassen Sie sich von einem Rechtsanwalt für Familienrecht beraten, damit Sie eine gerechte Aufteilung erhalten und nicht benachteiligt werden.

Schnelle Scheidung in Österreich

Durch Gerichtsverfahren kann sich die Dauer und der Ablauf einer Scheidung bei einerstrittigen Scheidung in Österreich unnötig in die Länge ziehen. Wer eine schnelle Scheidung in Österreich wünscht, sollte eine einvernehmliche Scheidung anstreben.

Diese ist kostengünstig, unkompliziert und spart Ihnen viel Zeit und Ärger. Möchte man letztendlich doch eine einvernehmliche Scheidung, kann das strittige Scheidungsverfahren jederzeit unterbrochen werden.

Wie lange dauert eine einvernehmliche Scheidung in Österreich?

Wer eine Scheidung nicht unnötig kompliziert machen möchte, sollte die Mediation als kostengünstige Alternative in Betracht ziehen und eine einvernehmliche Scheidung anstreben. Wie lange dauert eine einvernehmliche Scheidung in Österreich? Prinzipiell ist die einvernehmliche Scheidung eine relativ schnelle Scheidung in Österreich.

Doch auch hier müssen bestimmte Bedingungen eingehalten werden, bevor die Scheidung vollzogen werden kann. Ehegatten dürfen mindestens sechs Monate in keiner Lebensgemeinschaft mehr zu Ihrem Ehepartner stehen, allerdings muss hierfür keine räumliche Trennung vorliegen.

Obwohl eine Scheidungsvereinbarung zwischen den Ehegatten vorliegt, kann es zu Verzögerungen beim Schriftverkehr kommen. In manchen Fällen kommt es vor, dass die notwendigen Dokumente nicht rechtzeitig unterschrieben beim Bezirksgericht vorliegen.

Demzufolge nimmt die Dauer einer Scheidung auch bei Einvernehmen mehr Zeit in Anspruch, falls die Erledigungen der Formalitäten nicht reibungslos ablaufen. Genaueres zum Ablauf einer einvernehmlichen Scheidung können Sie in unserem Schwerpunktartikel nachlesen.

Ablauf einer Scheidung in Österreich mit Kindern

Bei einer Scheidung in Österreich mit Kindern wird das Gerichtsverfahren komplizierter, da zusätzliche Scheidungsfolgen (Alimente, Obsorge) geklärt werden müssen. Die Länge des Prozesses und die Streitigkeiten der Eltern sind oftmals sehr belastend für die Kinder bei einer Scheidung in Österreich.

Erfolgt die Scheidung jedoch im Einvernehmen ist der Ablauf einer Scheidung für die Kinder weniger belastend und die Scheidung schneller vollziehbar.  Möchten Sie die Scheidung in Österreich für Kinder schmerzfreier gestalten, empfehlen wir Ihnen bei vorliegenden Konflikten die Konsultation eines Mediators. Im gemeinsamen Gespräch können Sie mit Ihrem Partner eine zukunftsfähige Lösung für Sorgerechts– und Unterhaltsfragenerarbeiten.

Beim Ablauf einer Scheidung mit Kindern ist es wichtig, dass Sie Ihre Kinder emotional begleiten und sie über den Vorgang rechtzeitig informieren.

Dabei ist es wichtig, dass Kinder den Ablauf der Scheidung in Österreich verstehen und wissen, was sich in der Zukunft für sie ändert. Reden Sie daher mit Ihrem Kind darüber, was nach der Scheidung geschieht und wie die Betreuung und Obsorge durch beide Elternteile gestaltet ist.

Weitere Beiträge die Sie interessieren könnten..
314 ratings