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Testament verfassen in Österreich

  • Redaktion Familienrechtsinfo.at
Das Wort Testament und eine Unterschrift
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Wie kann man ein Testament verfassen in Österreich? Prinzipiell ist es einfach ein Testament zu verfassen und jeder Laie kann es aufsetzen. Allerdings muss ein Testament formrichtig sein und einige inhaltliche Bedingungen erfüllen, um rechtswirksam zu sein. Durch Formfehler in einem Testament kann es schnell zu Streitigkeiten kommen, daher ist die Konsultation eines Anwalts ratsam. 

Der folgende Artikel erläutert Ihnen, wie Sie ein Testament verfassen können. Dabei geht er auch auf relevante Aspekte der Testamentseröffnung und -vollstreckung ein. Hier können Sie zur Orientierung eine Testament-Vorlage für Österreich kostenlos downloaden. 

Das Wichtigste zum Testament verfassen in Österreich in Kürze:

  • Es gibt verschiedene Testamente: Eigenhändiges Testament, fremdhändiges Testament und ein mündliches Testament.
  • Eine Vielzahl der privat erstellten Testamente ist fehlerhaft und somit ungültig.
  • Prinzipiell kann man selbst ein Testament aufsetzen, jedoch sollte dies unbedingt von einem Anwalt oder Notar geprüft werden
  • Bei Formfehlern ist das Testament leider ungültig und hat keinen Bestand im Erbfall.
  • In Österreich besteht keine Testamentspflicht, allerdings tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft, wenn kein Testament vorliegt.
  • Tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft, dann erhalten gewisse Erben nur den Pflichtteil.
  • Ein Testament sollte so früh wie möglich aufgesetzt werden.
  • Verwahren Sie Ihr Testament sicher auf und registrieren Sie das Testament beim Testamentregister.
  • Sie können wählen, ob Sie beim Anwalt oder Notar ein Testament aufsetzen möchten
  • Eine Erstberatung beim Anwalt kann Ihnen helfen, einen Überblick darüber zu erhalten, was in einem Testament erwähnt werden muss und worauf es ankommt.

Wann sollte man ein Testament aufsetzen?

In Österreich besteht keine Testamentspflicht, jedoch gilt automatisch die gesetzliche Erbfolge, sofern kein Testament vorhanden ist. Hat der Erblasser große Vermögenswerte oder liegen komplizierte Vermögensverhältnisse vor, sind Familienbetriebe oder Liegenschaften im In- oder Ausland vorhanden, dann empfiehlt sich in der Regel ein Testament. Besonders in diesen Fällen sollten Sie Ihren Nachlass und dessen Verbleib richtig planen und ein Testament schreiben.

Testament verfassen – So vererben Sie Ihr Vermögen wunschgemäß

Es ist mit Sicherheit keine angenehme Angelegenheit, ein Testament zu verfassen. Keiner beschäftigt sich gerne mit seinem eigenen Tod und überlegt sich gerne, wie sein Vermögen nach dem Ableben verteilt werden soll. Dennoch ist es eine notwendige Vorgehensweise und es kann sehr sinnvoll ein Testament zu schreiben, denn nur so können Sie Ihr Vermögen nach Ihren Wünschen vererben. 

Bedenken Sie dabei auch, dass das richtige Schreiben des Testaments Erbstreitigkeiten zwischen den Erben verhindern kann. Für ein unanfechtbares Testament sind spezifische Formulierungen und Formvorschriften notwendig. Wissen Sie wie ein handschriftliches Testament aussehen muss oder was der Unterschied zwischen einen eigenhändigen und fremdhändigen Testament ist? Wie setzt man ein mündliches Testament auf? 

Der folgende Abschnitt erläutert Ihnen, welche Testamentsarten es gibt und beantwortet auch die Frage „Wie schreibe ich ein handschriftliches Testament?“. 

Welche Testamentsarten gibt es?

Es gibt verschiedene Arten an Testamenten, die für unterschiedliche Zwecke dienen. Egal welche Art Testament Sie jedoch wählen, es ist immer wichtig, dass keine Formfehler gemacht werden. Daher ist es ratsam, einen Anwalt hinzuzuziehen und sich ausführlich beraten zu lassen.

Prinzipiell unterscheidet man zwischen dem eigenhändigen und dem fremdhändigen sowie dem mündlichen Testament. Eine eigenhändige Verfügung oder auch Testament wird komplett handschriftlich vom Erblasser selbst verfasst, inklusive Unterschrift und Datumsangabe. Wurde das Dokument hingegen mit einer Schreibmaschine, PC oder von einer anderen Person erstellt, dann ist es ein fremdhändiges Testament. 

  1. Eigenhändiges Testament

Beim eigenhändigen Testament muss der Erblasser eigenhändig das Testament schreiben und unterzeichnen. Dabei sollten Sie auch den Tag und den Ort der Errichtung des Testaments angeben. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn später ein weiteres Testament erstellt wird, denn dieses hebt das frühere auf, sofern ein Widerspruch zwischen den beiden Versionen besteht.

Beachten Sie bitte auch, dass das eigenhändige Testament handschriftlich verfasst sein muss. Demnach reicht es nicht aus, wenn eine andere Person den Text maschinenschriftlich verfasst und Sie diesen lediglich unterschreiben. Durch diese Vorgehensweise ist die eindeutige Identifizierung nicht möglich.    

  1. Fremdhändiges Testament

Ein fremdhändiges Testament kann auf beliebige Art erstellt werden (mit einer Schreibmaschine oder durch eine andere Person) und muss in Gegenwart von drei fähigen Zeugen durch den Erblasser eigenhändig unterschrieben werden. Darüber hinaus muss es mit dem eigenhändig verfassten Nachsatz versehen werden, dass das Dokument den letzten Willen des Verfügenden enthält. Die Identität der Zeugen muss angegeben werden, wobei darauf zu achten ist, dass dies nicht eigenhändig, sondern fremdhändig geschieht.

Nichtsdestotrotz muss der Zeuge die letztwillige Verfügung selbst unterschreiben und einen Zusatz hinzufügen, welcher die Zeugenschaft bestätigt: Gerd Müller als Testamentszeuge. Zeugen müssen auf der Testamentsurkunde unterschreiben; eine Unterschrift auf einem zusätzlichen losen und leeren Blatt reicht für die Erfüllung der Formvorschrift nicht aus.

Außerdem müssen die Zeugen den Inhalt des Testaments nicht kennen und über 18 Jahre alt sein. Ausgeschlossen als Zeugen sind Blinde, Taube, Stumme und Personen, die der Sprache des Erblassers nicht mächtig oder geistig nicht zur Zeugenschaft fähig sind. Um eine Befangenheit auszuschließen, dürfen nahe Angehörige und die im Testament Bedachten keine Testamentszeugen sein.

  1. Mündliches Testament

Jeder kann im Grunde genommen einen mündlichen oder schriftlichen letzten Willen aufsetzen, wenn für den Erblasser die unmittelbare Gefahr zu sterben besteht oder der Verlust der Testierfähigkeit droht. Demnach können auch mündige Minderjährige oder Besachwalterte ein Testament schreiben. In diesem Fall nennt man das ein Nottestament. In diesem Fall werden zwei Zeugen benötigt, die gleichzeitig anwesend sind.

Wie lange ist ein mündliches Testament gültig? Entfällt die akute Gefahr nach drei Monaten, dann wird der letzte Wille ungültig. Die drohende Gefahr des Todes oder der Verlust der Testierfähigkeit muss bewiesen werden. Außerdem ist der letzte Wille auch dann ungültig, wenn die beiden Zeugen nicht übereinstimmende Aussagen bestätigen können.

Nach 3 Jahren nach dem Tod des Testators müssen die Zeugen das Gehörte eidlich bekräftigen, sofern dies verlangt wird. Die große Gefahr eines mündlichen Testaments liegt darin, dass es die Gültigkeit verliert, wenn der Inhalt nicht von allen Zeugen übereinstimmend bestätigt wird.

Wie schreibe ich ein handschriftliches Testament?

In einem handschriftlichen Testament sollte der Name des Erblassers und die Namen der Erben erscheinen. Ebenso ist das Geburtsdatum, die Profession und die Adresse wichtig. Außerdem sollten die Datumsangabe und eine eigenhändige Unterschrift nicht vergessen werden. Anbei ein Beispiel für ein eigenständiges handschriftliches Testament:

Ich, Andreas Schmitt, geboren am 25. Juli 1944, Lehrer, 1010 Wien, Rosengasse 4/6, setze meine Ehegattin, Sonja Schmitt, geboren am 14. April 1948, Angestellte, zu meiner Universalerbin ein. Meinen Vespa-Roller, Baujahr 1955, vermache ich meinem Freund, Wilhelm Müller, 1010 Wien, Großer Ring 10.

Dieses Testament habe ich eigenhändig geschrieben und unterschrieben.

Wien, am 16. August 2001, 

Andreas Schmitt

Wer erbt, wenn es kein Testament gibt?

Laut Statistik hat die Hälfte aller Verstorbenen kein Testament verfasst, somit sind die Ehegatten und Kinder die Haupterben. Leibliche und adoptierte Kinder haben Vorrang, wobei in die Ehe eingebrachte Kinder nicht erbberechtigt sind. Hierfür müssen sie explizit in einem Testament benannt werden.

Für diesen Fall ist das eigenständig geschriebene Testament mit Unterschrift und Datumsangabe die klassische Form des Testaments. Drei Zeugen müssen das Testament unterschreiben, wobei ein Nottestament auch mündlich verfasst werden kann. 

Der Ehegatte oder Lebenspartner des Verstorbenen erbt im Normalfall ein Drittel des Gesamterbes und die zum ehelichen Haushalt gehörenden Gegenstände. Ist der Verstorbene Hauseigentümer, so hat der hinterbliebene Partner oder Ehegatte das Wohnrecht. Zwei Drittel entfallen hingegen auf leibliche und adoptierte Kinder. Sind die Kinder hingegen verstorben, dann geht das Erbe an die Enkel oder Urenkel.

Ist der erbberechtigte Ehegatte ebenfalls verstorben, dann geht das gesamte Erbe an die Kinder über. In diesem Zusammenhang sind eheliche und uneheliche Kinder gleichberechtigt. Gibt es kein Testament und keine Erben, dann geht das gesamte Erbe an den Staat. 

Worauf muss man bei Enterbung achten?

Um jemanden in einem Testament zu enterben, müssen gewisse Kriterien eingehalten werden. Ein Grund eine Person zu enterben wäre beispielsweise eine strafbare Handlung wie Diebstahl oder Drohungen. Außerdem kann ein Erbe auch enterbt werden, wenn er den Erblasser unter seelischen Druck gesetzt hat, ein Testament zu seinen Gunsten aufzusetzen.

Auch die Missachtung familiärer Pflichten kann zur Enterbung führen. Kriminelle Handlungen, die mit Freiheitsentzug bestraft wurden, können den Ausschluss des Pflichtteils und Erbes herbeiführen. Wurde der Verstorbene in einer Notlage im Stich gelassen, dann kann es auch zur Enterbung eines potentiellen Erbens kommen.

Auch unzuverlässige und spielsüchtige Erben können enterbt werden, wobei der Anteil an dessen Nachkommen geht. Die Gründe der Enterbung müssen im Testament explizit benannt werden.

Wo bewahrt man ein Testament auf?

Bewahren Sie Ihr Testament an einen sicheren Ort auf, d.h. legen Sie das Testament nicht einfach in die Schreibtischschublade. Achten Sie auch darauf, dass Sie einen Ort finden, der sicher vor fremdem Zugang sicher ist. Ein Anwalt oder Notar kann Ihnen diesbezüglich weiterhelfen.

Erhält ein Erbe einen Großteil des Vermögens, dann ist es auch hilfreich, wenn der entsprechende Erbe eine notariell beglaubigte Kopie des Testaments sicher aufbewahrt.   Ebenso ist es möglich, das Testament beim Nachlassgericht aufzubewahren oder Ihr Testament in das Testamentregister eintragen zu lassen. 

Wie viel kostet ein Testament beim Notar?

Wie viel ein Testament kostet, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Möchte man ein Testament bei einem Notar oder Anwalt aufsetzen, fallen höhere Kosten an. Möchte man das Testament ins Testamentregister eintragen lassen oder beim Nachlassgericht hinterlegen, dann fallen hierfür Gebühren an. 

Was kostet ein Testament beim Notar? Die Kosten für Notare und Anwälte sind sehr unterschiedlich, daher kann man keine pauschale Antwort auf die Frage geben. Grundsätzlich rechnen Notare über einen Stundensatz oder einen Vertragswert in Höhe des Umfangs der bestehenden Erbschaftssumme ab. Für ein einfaches Testament können Sie mit rund 300 Euro rechnen.

Sollte es sich jedoch um ein komplexes Testament handeln, müssen Sie höhere Kosten einkalkulieren. Handelt es sich hingegen nur um eine Testamentsprüfung, dann sind die Kosten sogar meist günstiger als 300 Euro.   

Testament Muster und Vorlagen

Selbstverständlich finden Sie im Internet und auf unserem Portal viele Testament-Muster und Vorlagen, die Ihnen eine Orientierung geben, wie ein Testament zu schreiben ist. Nichtsdestotrotz möchten wir Ihnen die Konsultation eines Anwalts für Erbrecht nahelegen, da nur ein Fachmann Ihnen die notwendige Sicherheit geben kann, dass Ihr Testament inhaltlich und formal rechtskräftig ist.

Leider sind laut einer Studie rund die Hälfte aller Testamente fehlerhaft und somit teilweise oder ganz ungültig.

Ist das Testament ungültig, wird das Vermögen hinsichtlich der gesetzlichen Regelungen aufgeteilt und die Pflichtansprüche berücksichtigt. 

Wann und wie kann man ein Testament anfechten?

Die gesetzlichen Erben sind dazu berechtigt, das Testament innerhalb von drei Jahren anzufechten. Ebenso können Angehörige oder Hinterbliebene, die durch ein früheres Testament als Erben in Frage kamen das Testament anfechten. 

Ein Härtefall liegt dann vor, wenn der Erbberechtigte erbunwürdig ist. Das heißt beispielsweise, dass die Person eine Straftat begangen hat (z.B. Mord), um an das Erbe zu gelangen. Besteht der Verdacht, dass der Erbe den Verstorbenen psychisch manipuliert hat und das Testament unter Druck verfasst wurde, dann ist der Erbe ebenfalls erbunwürdig. Ein weiterer Grund kann sein, dass die Erben den letzten Willen des Verstorbenen nicht akzeptieren möchten. Bei gewissen Fehlern kann das Testament angefochten werden und bei einem groben nachweisbaren Fehler ist das Testament ungültig. Aus den unten genannten Gründen kann ein Testament angefochten werden:

  • Das Testament wurde nicht formgerecht verfasst.
  • Es wurde nicht überprüft, ob der Verstorbene im Besitz seiner geistigen Kräfte war.
  • Irrtum, Täuschung oder Drohung. 
  • Es liegt ein neueres Testament vor, welches vom aktuellen abweicht. 

In den meisten Fällen wird ein Testament angefochten, weil die Erben das Testament für unsinnig hielten und der Verstorbene zum Zeitpunkt der Testamentserstellung bereits dement gewesen sei. Allerdings muss eine Demenz medizinisch geprüft und nachgewiesen werden, was häufig sehr schwierig ist.  

Was muss im Testament stehen?

Wer ein Testament verfassen möchte, muss alle Erben namentlich mit Adresse, Geburtsort und Geburtsdatum nennen. Ebenso müssen die Vermögenswerte explizit benannt werden. 

  • Meine Tochter, Sarah Müller, geborene Schmitt, wird zur Alleinerbin meines gesamten Vermögens benannt. 
  • Meine beiden Kinder, Andreas Müller und Sarah Müller (geb. Schmitt), werden zu gleichen Teilen Erben meines Vermögens. 
  • Mein Haus vermache ich meiner Enkelin Sonja Roth. 

Außerdem kann man ein Erbe auch an Bedingungen oder Altersgrenzen knüpfen. Auch eine Befristung ist denkbar, d.h. der Erbe erhält eine Zuwendung nur dann, wenn die Voraussetzungen hierfür erfüllt werden. Oft wird der Begünstigte zu einem Verhalten verpflichtet oder muss ein gewisses Alter erreicht haben. 

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