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Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Scheidung

  • Redaktion Familienrechtsinfo.at
zwei zerbrochene Eheringe
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Die häufigsten Fragen bei einer Scheidung

Dieser Beitrag fasst für Sie die häufigsten Fragen und Antworten bei einer Scheidung zusammen. Er soll Ihnen als Lexikon für Scheidung dienen. Sie erhalten präzise Antworten und können über die Verlinkungen zu den jeweiligen Fachartikeln gelangen, sollten Sie mehr Informationen benötigen.

Dir Redaktion empfiehlt sich in das Thema Scheidung gut einzulesen, aber auch einen Anwalt für ein Erstgespräch zu konsultieren, um offene Fragen zu klären und sich beraten zu lassen. Dies sind geringer Kosten, die sich auf jeden Fall auszahlen.

1. Wie ist der Ablauf einer Scheidung?

Der Ablauf der Scheidung beginnt mit dem Einreichen des Scheidungsantrags bzw. der Scheidungsklage. Über den Scheidungsantrag wird mit Beschluss entschieden. Abhängig davon, ob es sich um eine einvernehmliche oder strittige Scheidung handelt, ist der Ablauf einer Scheidung verschieden. Bei der strittigen Scheidung müssen Scheidungsfolgen in Folgeprozessen geklärt werden. 

2. Wie reiche ich die Scheidung ein?

Nach Ablauf der 6-monatigen Trennungszeit können Sie im Rahmen einer einvernehmlichen Scheidung den Scheidungsantrag beim zuständigen Bezirksgericht einreichen. Bei einer strittigen Scheidung handelt es sich hingegen um eine Scheidungsklage.

3. Welche Unterlagen benötige ich für eine Scheidung?

Ihr Anwalt kann Ihnen sagen, welche Scheidungspapiere für Ihre individuelle Situation notwendig sind. Generell benötigen Sie folgende Scheidungsunterlagen für Ihre Scheidung

  • Heiratsurkunde oder Stammbuch (beglaubigte Kopie)
  • Vollmacht für den Rechtsanwalt
  • Ehevertrag oder Scheidungsfolgenvereinbarung
  • entsprechende Formulare zur Bewilligung von Verfahrenskostenhilfe

4. Was ist ein Scheidungsantrag?

Sind sich die Eheleute über die Scheidungsfolgen einig, können Sie gemeinsam einen Scheidungsantrag beim zuständigen Bezirksgericht stellen. Im Scheidungsantrag werden alle persönlichen Angaben und Gründe für die Scheidung schriftlich festgehalten.

Wichtig sind hierbei unter anderem die Anschrift des Bezirksgerichts, Angaben zu den Eheleuten und zur Ehe sowie Angaben zu gemeinsamen Kindern. Bei einer strittigen Scheidung muss hingegen eine Scheidungsklage eingereicht werden.

5. Was ist eine Scheidungsklage?

Bei einer strittigen Scheidungmuss ein Ehegatte eine Scheidungsklage schriftlich beim zuständigen Gericht einreichen. In der Scheidungsklage muss ein wichtiger Scheidungsgrund genannt werden.

Reichen hingegen beide Ehepartner eine Scheidungsklage ein, gilt die, welche zuerst eingereicht wurde. Wer sich nicht von einem Anwalt vertreten lassen will, kann die Klage auch mündlich am Amtstag bei Gericht zu Protokoll geben. 

6. Welches Gericht ist für die Scheidung zuständig?

Für den Antrag auf einvernehmliche Scheidung müssen die Eheleute den Scheidungsantrag, bzw. im Rahmen eines strittigen Verfahrens, die Scheidungsklage beim zuständigen Bezirksgericht einreichen, in dessen Sprengel die Eheleute den letzten gemeinsamen gewöhnlichen Aufenthalt hatten.

7. Was ist das Trennungsjahr?

Anders als in Deutschland ist das „Trennungsjahr“ vor der Scheidung auf 6 Monate begrenzt. Nach Ablauf dieser Trennungszeit können die Eheleute die Scheidung in Österreich einreichen. Da es für Gerichte schwer nachvollziehbar ist, ab wann die eheliche Lebensgemeinschaft aufgelöst wurde, wäre eine Scheidung in Österreich faktisch ohne Trennungsjahr möglich. 

8. Was ist eine einvernehmliche Scheidung?

Sind sich die Eheleute bezüglich der Scheidungsfolgen einig, können Sie die Scheidung im Rahmen einer einvernehmlichen Scheidungvollziehen. In der Scheidungsfolgenvereinbarung können Sie dann die entsprechenden Vereinbarungen schriftlich festhalten. Eine einvernehmliche Scheidung ist die schnellste und kostengünstigste Variante in Österreich.

9. Wie lange dauert eine einvernehmliche Scheidung in Österreich?

Wie lange eine Scheidung dauert, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Die einvernehmliche Scheidung ist allerdings die schnellste Variante und dauert insgesamt 4-6 Monate.

10. Kann ich die Trennung beschleunigen?

Es wird davon abgeraten auf Unterhaltsansprüche zu verzichten, um die Scheidung zu beschleunigen. Da es für Gerichte schwer nachvollziehbar ist, wann die eheliche Lebensgemeinschaft aufgelöst wurde, kann eine Trennung beschleunigt werden, indem das Trennungsjahr faktisch übersprungen wird. Allerdings kann es ratsam sein, die Trennungsphase zur detaillierten Vorbereitung für die Scheidung zu nutzen.

11. Was kostet eine einvernehmliche Scheidung in Österreich?

Die einvernehmliche Scheidung ist die kostengünstigste Scheidung in Österreich. Sind sich die Ehegatten bei allen Scheidungsfolgen einig, belaufen sich die Scheidungskosten auf insgesamt 586 € oder 1025 € für beide Ehegatten. Der Scheidungsantrag und der Scheidungsvergleich kosten jeweils 293 € für beide Ehegatten zusammen. Wird eine Liegenschaft übertragen, werden weitere 439 € für beide Ehegatten gemeinsam berechnet.

12. Was ist eine Scheidungsfolgenvereinbarung?

In einer Scheidungsfolgenvereinbarung können die Eheleute alle Scheidungsfolgen wie Unterhalts-, Kontaktrechts, Sorgerechts– und Vermögensfragen regeln. In einer Scheidungsfolgenvereinbarung kann beispielsweise der Zugewinn ausgeschlossen werden. Die Scheidungsfolgenvereinbarung regelt die rechtliche und finanzielle Situation nach der Ehe.

13. Was ist eine streitige Scheidung?

Können sich die Eheleute bezüglich der Scheidungsfolgen nicht einigen, muss eine strittige Scheidung eingeleitet werden, indem einer der Ehegatten eine Scheidungsklage einreicht. Die strittige Scheidung ist langwierig und mit hohen Kosten verbunden. Eine Alternative ist die Mediation.

14. Wie lange dauert eine strittige Scheidung in Österreich?

Eine strittige Scheidung ist nicht nur kostspielig, sondern auch zeitaufwendig und kann sich weitaus über 7 Monate hinziehen. Je nachdem wie viele Scheidungsfolgen in Folgeprozessen geklärt werden müssen und wie lange es dauert, bis sich die Eheleute einig werden, kann sich der Scheidungsprozess einer strittigen Scheidung sogar über mehrere Jahre hinziehen.

15. Was kostet eine streitige Scheidung?

Die strittige Scheidung ist um einiges kostspieliger als die einvernehmliche Scheidung, sodass weitere Kosten entstehen. Abhängig von den zu klärenden Folgeverfahren und den damit verbundenen Kosten kann sich eine strittige Scheidung auf rund 4.000 Euro und mehr belaufen.

Besprechen Sie die Kosten mit Ihrem Anwalt. Die Pauschalgebühr für die Scheidungsklage und die Gerichtsverhandlung kostet 312 Euro. Der Scheidungsvergleich beläuft sich auf 279 Euro. Für die Übertragung einer Liegenschaft fallen 439 Euro an. 

16. Wie lange dauert es bis die Scheidung rechtskräftig ist?

Über den Scheidungsantrag wird mit Beschluss entschieden, gegen welchen binnen 14 Tagen Widerruf eingelegt werden kann. Verstreicht die Frist, dann ist die Scheidung rechtskräftig. Verzichten die beiden Parteien jedoch bei der mündlichen Verkündung auf Rechtsmittel, dann ist der Beschluss sofort rechtskräftig.

17. Wer zahlt die Scheidung?

Die Kosten einer Scheidung tragen die Ehegatten zusammen, wobei sie auch individuell vereinbaren können, dass nur einer der beiden die Kosten übernimmt. Grundsätzlich sind die Beträge für einen Scheidungsantrag und einen Scheidungsvergleich für beide Eheleute bemessen. Die Anwaltskosten müssen die Parteien jeweils selbst tragen. Bei einer strittigen Scheidung ist die Kostenübernahme jedoch komplexer, kontaktieren Sie hierfür Ihren Anwalt.

18. Was ist der Streitwert bei einer Scheidung?

Der Streitwert ist notwendig, um das Honorar für den Anwalt berechnen zu können. Dabei gilt: Je höher der Streitwert, desto höher ist das Anwaltshonorar. Der Streitwert wird anhand einer Tarifordnung festgelegt und beträgt bei einer strittigen Scheidung aktuell rund 4350 Euro. Sind allerdings weitere Vermögenswerte in den Prozess eingebunden (Liegenschaften, finanzielle Rücklagen), dann erhöht sich der Streitwert.  

19. Wie läuft die Gütertrennung bei einer Scheidung?

Während der Ehe herrscht der Güterstand der Gütertrennung. Vermögen, welches in die Ehe eingebracht wurde, verbleibt im Besitz des jeweiligen Ehegattens (siehe Gütertrennung). Bei einer Scheidung werden die ehelichen Ersparnisse und das Gebrauchsvermögen aufgeteilt (Vermögensaufteilung bei Scheidung). Persönliche Gebrauchsgegenstände und die Arbeitsausrüstung sind von der Aufteilung ausgeschlossen. 

20. Was ist der Zugewinnausgleich?

Als Zugewinnausgleich bezeichnet man den Ausgleich des Vermögens, welches entweder einer oder beide Ehepartner gemeinsam während der Ehe erworben haben. Der Zeitraum des Zugewinnausgleichs liegt dabei zwischen dem Datum der Eheschließung und dem Zeitpunkt der Vermögensaufteilung bei Scheidung.

Finden die Eheleute hinsichtlich der Vermögensaufteilung bei Scheidung keine Einigung, dann liegt dieser Zeitpunkt im Zeitraum der Scheidung.

21. Was ist der Trennungsunterhalt?

Der Trennungsunterhalt wird zum Zeitpunkt der Trennung bis zur Scheidung gezahlt und soll den Lebensunterhalt des weniger verdienenden Lebenspartner sichern. Insbesondere, wenn die Ehefrau sich um die Kindererziehung und den Haushalt gekümmert hat, erhält Sie in der Trennungszeit Trennungsunterhalt.

22. Wie hoch ist der Trennungsunterhalt?

Die Höhe des Trennungsunterhalts bemisst sich ebenfalls wie der Ehegattenunterhalt an den Erwerbs- und Vermögensverhältnissen der Ehegatten. Beeinflusst wird die Höhe des Trennungsunterhalts von der Höhe des Eigeneinkommens des Unterhaltspflichtigen. Ebenso spielen weitere unterhaltsberechtigte Personen oder Kinder einer Rolle. Außerdem ist das Alter der Kinder wichtig. 

23. Wer zahlt den Unterhalt nach der Scheidung? (Ehegattenunterhalt)

Sowohl während der aufrechten Ehe als auch nach der Scheidung besteht unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Ehegattenunterhalt. Unterhaltsansprüche bestehen dabei für denjenigen, der nicht aus eigener Kraft seinen Lebensunterhalt bestreiten kann und aufgrund von Kindererziehung und Haushaltsführung benachteiligt war. Außerdem besteht in Österreich auch Anspruch auf Unterhalt, wenn die Ehe aus Verschulden beendet wurde.

24. Wie hoch ist der Unterhalt?

Die Höhe des nachehelichen Unterhalts (Ehegattenunterhalts) bemisst sich ebenfalls an den Erwerbs- und Vermögensverhältnissen der Eheleute und vor allem an der Höhe des Einkommens des unterhaltspflichtigen Ehepartners. Ändern sich die Lebensumstände des unterhaltspflichtigen Ehepartners, findet eine Anpassung der Höhe des Unterhalts statt. 

25. Wer zahlt die Alimente?

Beide Elternteile sind ihren Kindern gegenüber unterhaltspflichtig (Anspannungsgrundsatz). Hierzu müssen Sie Einkommen und Vermögen heranziehen. Beide Eltern können den Verpflichtungen durch Betreuung im eigenen Haushalt oder in Form von Geldleistungen nachkommen. Der unterhaltspflichtige Elternteil muss dem mit der hauptsächlichen Obsorge vertrauten Elternteil, Unterhalt für das Kind zahlen. Dies nennt man Alimente.

26. Wie hoch sind die Alimente?

In Österreich wird die Höhe der Alimente mit der Prozentsatzmethode ermittelt. Hierbei wird eine Altersgruppe einem gewissen Prozentwert zugeordnet, welcher wiederum vom Nettogehalt des unterhaltspflichtigen Elternteils abgezogen und als Unterhalt geleistet wird. Bei der Höhe der Alimente spielt nicht nur ein unterer Bedarfssatz eine Rolle, sondern auch eine Obergrenze (Luxusgrenze). Jetzt den Kindesunterhalt berechnen.

27. Was passiert mit meiner Steuerklasse nach der Scheidung?

Anders als in Deutschland hat die Ehe in Österreich wenige steuerliche Vorteile. Im Gegensatz dazu gibt es in Österreich keine Haushaltsbesteuerung und somit kann man mit einer Heirat keine Steuern zahlen oder muss durch eine Scheidung mehr Steuern zahlen. Die Lebensgemeinschaft ist im steuerlichen Bereich der Ehe gleichgestellt, sofern ein Kind in der Lebensgemeinschaft lebt.

28. Behält der Erbvertrag bei Scheidung seine Gültigkeit?

Damit ein Erbvertrag in Österreich Gültigkeit hat, muss er in Form eines Notariatsakts verfasst worden sein. Vor einer Scheidung können die Eheleute den Erbvertrag jederzeit rückgängig machen, kommt es allerdings zur Scheidung, dann ist dieser ungültig, wenn die Ehe mit Verschulden oder ohne Verschulden aufgelöst wurde. Wurde die Ehe jedoch nur von einer Partei geschieden, dann bleiben die Ansprüche des Erbvertrags für den unschuldigen Ehepartner aufrecht.

29. Was passiert mit der Krankenversicherung bei Scheidung?

Mit der Scheidung endet auch die Mitversicherung in der Krankenversicherung für den mitversicherten Ehepartner. Ab diesem Zeitpunkt muss der betroffene Ehepartner ohne eigene gesetzliche Krankenversicherung sich selbst um eine entsprechende Versicherung kümmern. Die Mitversicherung endet mit dem Tag, an dem eine Scheidung rechtskräftig ist.

30. Habe ich bei Scheidung Anspruch auf Witwenrente?

Geschiedenen Partnern steht in Österreich Witwenpension zu, sofern der Verstorbene aufgrund eines gerichtlichen Urteils oder Vergleichs oder der Auflösung der Ehe vertragliche Verpflichtungen hat und Unterhalt leistet. Witwenpension steht auch dann zu, wenn der verstorbene Ehepartner nach rechtskräftiger Scheidung regelmäßig – mindestens ein Jahr bis zu seinem Tod – Unterhalt geleistet hat und die Ehe mindestens 10 Jahre bestand. 

31. Wer haftet für gemeinsame Schulden bei Scheidung?

Gemeinsame Schulden müssen im Falle einer Scheidung wie Vermögenswerte auch aufgeteilt werden. Bei der Aufteilung ist es wichtig, für welche Zwecke das Geld verwendet wurde, d.h. wem der beiden Ehegatten es zugute kam. Dabei werden Schulden aufgeteilt, die mit dem Gebrauchsvermögen oder Ersparnissen in Zusammenhang standen und Schulden, welche mit dem ehelichen Lebensaufwand in Verbindung stehen. Als Ehefrau haftet man nicht für die Schulden, die der Ehemann auf seinen Namen gemacht hat und vice versa.

32. Wer hat bei Scheidung das Sorgerecht für die Kinder

Nach einer Scheidung bleibt für beide Eltern die gemeinsame Obsorge in Österreich erhalten. Dies gilt sowohl bei einer strittigen Scheidung als auch bei einer einvernehmlichen Scheidung.

33. Wie kann ich das alleinige Sorgerecht bekommen?

Das alleinige Sorgerecht ist in Österreich selten, da der Gesetzgeber das gemeinsame Sorgerecht als Normalfall ansieht, um die Beziehung zwischen dem Kind und beiden Elternteilen zu fördern. Ein Grund für die Beantragung des alleinigen Sorgerechts besteht dann, wenn das Kindeswohl gefährdet ist.

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